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Organisationsentwicklung - "Mehr Licht im Labor"

Vom Dalai Lama

 

© DIE ZEIT 15.09.2005 Nr.38

Auszug aus dem Artikel: Das Bewusstsein entzieht sich der objektiven Wissenschaft. Die Meditation kann helfen, das Ich zu erklären. Ein Plädoyer

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Das Training des Geistes ist wie das Erlernen des Fahrradfahrens

Der Buddhismus geht schon lange von einer Theorie aus, die man in den Neurowissenschaften als »Plastizität des Gehirns« bezeichnet. Die buddhistischen Begriffe, in denen diese Vorstellung gefasst wird, unterscheiden sich grundlegend von denen der Kognitionswissenschaft, wichtig ist jedoch, dass beide das Bewusstsein als offen für Veränderungen betrachten. Das Konzept der Neuroplastizität geht davon aus, dass das Gehirn weitgehend formbar ist und sich aufgrund von Erfahrungen permanent verändert, indem es ständig neue Verbindungen zwischen Neuronen herstellt und sogar neue Nervenzellen produziert. Die Forschung hat sich in diesem Zusammenhang vor allem mit Menschen mit besonderen Leistungen beschäftigt, mit Athleten, Schachspielern und Musikern, und konnte nachweisen, dass deren intensives Training sich in Veränderungen im Gehirn widerspiegelt. Dieser Personenkreis weist interessante Parallelen zu Meditierenden auf, deren Hingabe an ihre Praxis einen ebenso grossen Einsatz an Zeit und Bemühung erfordert und die auf ihrem Gebiet ebenfalls besondere Leistungen erbringen.

So wurde bei erfahrenen Meditierenden im Experiment bereits eine grössere Aktivität im linken Stirnhirnlappen nachgewiesen, einem Gehirnareal, das mit positiven Empfindungen wie Glück, Freude und Zufriedenheit verbunden ist. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass wir einen Zustand des Glücks durch ein auf das Gehirn einwirkendes Geistestraining bewusst kultivieren können.

Ein Betrachter, der sein Bewusstsein verändern oder den Geist mit empirischen, introspektiven Mitteln ergründen will, benötigt eine grosse Auswahl an Mitteln, die er durch sorgsame Wiederholung und Übung verfeinert und präzise und diszipliniert anwendet. Diese Praktiken setzen die Fähigkeit voraus, die Aufmerksamkeit für eine gewisse Zeitspanne - wie kurz diese auch sein mag - auf ein ausgewähltes Objekt zu richten. Man kann davon ausgehen, dass der Geist durch stetige Gewöhnung lernt, die von ihm speziell eingesetzte Fähigkeit - Aufmerksamkeit, logisches Denken, Vorstellungskraft - immer mehr zu verbessern. Schliesslich wird diese Aktivität durch die andauernde, regelmässige Übung fast zu einer zweiten Natur. Hier ist die Parallele zu Sportlern oder Musikern besonders deutlich. Wir können diesen Prozess aber auch damit vergleichen, schwimmen oder Fahrrad fahren zu lernen. Anfangs ist es sehr schwer, fast unnatürlich, aber wenn man es gelernt hat, ist es plötzlich ganz einfach.

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